Bericht von Bianca

Einsatz im Mai 2013

Tötungsstation Sevilla …es fällt mir nicht leicht diesen Bericht nun zu schreiben…dies ist der dritte Anlauf…mir fehlen einfach die Worte um die Grausamkeit dieses Ortes zu übermitteln…trotz allem werde ich es nun noch einmal versuchen… …in dem Briefing für alle Freiwilligen stand, dass ein Besuch der Tötungsstation auf Grund von zu hohem Risiko nicht vorgesehen ist. Dieses habe ich respektiert, ich hab den Bericht von Carmen gelesen und für mich selbst entschlossen dies einmal mit eigenen Augen gesehen haben zu wollen. Ich sprach Carmen mit einer anderen Freiwilligen daraufhin an um zu erfahren wo sich die Tötungsstation befindet. Sie erklärte uns, dass es wirklich heftig dort ist und auch nicht jeder diese Eindrücke verarbeiten kann. Sie hat uns davon abgeraten. Ich wusste für mich das es alles andere als schön sein wird und auch bestimmt nicht einfach, dennoch wollte ich mir selbst einen Eindruck davon verschaffen. Schnell stellte sich heraus, dass die zweite interessierte Freiwillige für den Besuch der Tötung viel zu emotional ist. Sie wäre wohl möglich dort zusammengebrochen. Auf Grund meines Berufes (SaZ) habe ich eine andere Ausbildung genossen und gelernt gewisse Dinge mit Abstand zu betrachten. Carmen wollte mit Ivan reden, allerding erhoffte ich mir davon nicht allzu viel. Mein Plan war es neutral dort hinzugehen, ich wollte nicht in Verbindung mit dem Verein stehen…ich hatte Angst das wenn ich mich aus irgendwelchen Gründen nicht unter Kontrolle haben würde, dass dies später Auswirkungen hat und wir möglicherweise keine Chance mehr haben Tier von dort zu retten.
Bei einem gemeinsamen Abendessen kam das Thema nochmals auf, Carmen fragte mich ob es okay für mich sei, wenn ich anstelle von Roman mitkomme. Ich würde Ivan und sie begleiten und wäre für die Fotos zuständig.
Sie setzte sich für mich ein und ermöglichte mir die Tötungsstation zu besuchen.
Plötzlich stand der Besuch der Tötungsstation in einem ganz anderen Licht, ich würde anstelle von Roman mitfahren und verantwortlich für die Fotos sein.
Eines unserer Ziele ist es Aufmerksam zu machen, je größer das Leid, desto aufmerksamer werden die Leute. Traurig aber wahr.
Ich habe mir vorher für mich gesagt, wenn es nicht geht dann schau ich halt weg oder verschließe die Augen…dies ging nun nicht mehr ich musste mit der Kamera voll drauf halten und versuchen möglichst viele Bilder zu machen. Da mir wirklich sehr viel daran lag, selbst einmal dort gewesen zu sein, habe ich für mich ausgemacht ganz oder gar nicht. Somit stand meine Entscheidung fest ich werden Ivan und Carmen begleiten und ihre geleistete Arbeit, sowie meine Eindrücke auf Fotos festhalten! Es war soweit am Freitagmorgen sollte es direkt nach dem Frühstück losgehen… ich hatte kein Appetit, mochte nicht essen und trinken und war innerlich aufgeregt.
Carmen und Roman haben mir von ihrem ersten Besuch erzählt, es war schrecklich was sie erzählten….. ich habe mir, um auf alles so gut es geht vorbereitet zu sein, das schlimmste vom schlimmsten ausgemalt, mit dem Gedanken … vielleicht auf irgend einer Art und Weise positiv überrascht zu werden. Endlich ging es los… auf dem Weg zur Tötung bekam Ivan einen erfreulichen Anruf…
der Chef sei nicht da… ich habe diesen Menschen zwar noch nie gesehen, dennoch verachte ich ihn sehr! Mir fiel ein Stein vom Herzen ihm nicht gegenüber stehen zu müssen.
Als wir dann vor den Toren der Tötung standen und diese sich langsam öffneten war es ein komisches Gefühl… von den Gebäuden etc. war ich positiv überrascht. Ich hatte es mir veraltet und heruntergekommen vorgestellt. Leider war dieser Teil auch die einzige positive Überraschung….
Wir hielten direkt vor dem Gebäude in dem die Hunde untergebracht sind.
Man nennt es auch den Todestrakt…sie kommen vorne durch die Tür teilweise auf brutale Art und Weise herein, jedoch verlassen sie das Gebäude nur selten wieder durch diese……
Es ist einfach nur ein langer Flur, links und rechts sind kleine rostige zum Teil verbogene Gitter. Ich will gar nicht darüber nachdenken wie viele Engel schon verzweifelt versucht haben der Hölle zu entkommen und sich noch weitere Verletzungen zugefügt haben. Ansonsten sind die Zellen klein und kalt. Nichts als Beton, wenn sie „Glück“ haben, steht noch ein angefressener Korb aus Kunststoff in der Zelle. Meistens jedoch liegen die armen in den Wasserpfützen vom Reinigen der Zellen. Diese werden wohl nur mit dem Wasserschlauch ausgespritzt, gar nicht daran zu denken wie eisig kalt es wohl im Winter sein muss…..
Als ich das Gebäude betrat lief es mir kalt den Rücken runter …nun war ich da und sah es mit eigenen Augen. Ich kam mir so hilflos vor … so viele traurige Augen, die einen anstarren, verängstigt und mit erwartungsvollen Blicken. Jeder versucht auf seiner Art die Aufmerksamkeit auf sich zu ziehen... die einen Bellen, andere schreien um ihr Leben…wieder andere erstarren vor Angst oder drücken sich so gut sie noch können ans Gitter umso die ersehnte Zuneigung zu bekommen.
Leider sind die Kapazitäten von Ayandena begrenzt, es war uns möglich nur einen einzigen Engel zu retten, doch durch Improvisation und hin und her schieben so gut es eben geht, haben wir es geschafft ganze 11 Hunde (Mama + 8 Welpen, einen Dobermann und einen einzelnen zurückgebliebenen Welpen) sowie 3 Babykatzen zu retten.
Welch ein Glück das der Chef nicht da war, ansonsten wären von den 8 Welpen mit Glück vielleicht noch zwei übrig geblieben…. Leider war eins der Katzenbaby ’s in einem sehr schlechtem Zustand, medizinische Versorgung ist in der Tötung gleich Null. Wir haben es mitgenommen und unser Bestes gegeben….leider mussten wir es gehen lassen… RIP kleines.. Jetzt wo ich diesen Satz schrieb fiel mir auf, dass ich den eigentlichen Notfall nicht erwähnt habe, es liegt denke ich daran das ich versuche es zu verdrängen… es war mit Abstand das schlimmste was ich jemals gesehen habe… ein kleiner Hund übergossen mit Latexfarbe die Bestandteile von Säure enthielt.. er lag reglos in seinem Zwinger… benommen von dem Dämpfen und den unerträglichen Schmerzen… wozu erlösen wenn sie doch eh verrecken… so spart man sich die 12 € unfassbar… Wir haben ihn sofort in die Tierklink gebracht, er wurde direkt behandelt in Narkose gelegt und erst mal von den Schmerzen befreit.
Als man das verklebt Fell von der Farbe abscheren wollte, stellte man schnell fest, dass man dieses mit bloßen Fingern komplett abziehen konnte…. Ich kann es nicht in Worte fassen was der Kleine für Qualen hinter sich hatte… übrig blieb pures Fleisch… mittlerweile scheint er über den Berg zu sein, er wurde Angel Junior getauft… er muss unzählbar viele Engel gehabt haben… medizinisch wird er täglich versorg, er bekommt starke Schmerzmittel…er ist tapfer und kämpft... ich bin mir sicher er wird es schaffen und für all die Qualen die er durchstehen musste wünsche ich mir so sehr für ihn ein liebesvolles Zuhause, welches in liebt und respektiert. Ihn so behandelt wie er es verdient hat…

Im ersten Augenblick freut man sich riesig für die geretteten kleinen…. Doch leider ist dies nicht lang von Dauer…mindestens nochmal so viele muss man zurücklassen. Auch wenn man sie alle mitnehmen möchte…. Ich habe ein großen Fehler begangen… es gibt/gab einen Hund in der Tötung an dem ich mein Herz verlor… wir konnten ihn leider nicht mitnehmen…. Ich hab ihn gesehen und es war quasi Liebe auf den ersten Blick. Seine Augen voller Hoffnung nimm mich mit, ich hab Angst… lass mich nicht allein…er geht mir nicht mehr aus den Kopf…ständig hab ich das Bild vor Augen wie er sich ans Gitter drückt sitzend in einer Pfütze…. Ich hab Carmen gefragt sie sagte er sei wohl reserviert… doch leider heißt das in der Tötung ja nichts… bis heute weiß ich nicht was aus ihm geworden ist… doch die Vorstellung allein, dass er vielleicht jetzt gerade verängstigt in seiner kleinen Zelle sitzt… vollkommen hilflos… oder vielleicht auch schon alles zu spät ist.. zerreißt mir das Herz…. …ich hab mir Mühe gegeben meine Eindrücke verständlich rüberzubringen…habe viel Schlimmes gesehen was ich wohl so nie wieder vergessen werde…habe von vielem andere Ansichtsweisen als vorher, aber dennoch bereu ich nicht mitgegangen zu sein…
Ich würde es jeder Zeit wieder machen!!! In dem Sinne auch nochmal ein herzliches Dankeschön an Carmen, die mir diese Erfahrung erst ermöglicht hat und mir sehr viel Vertrauen entgegen brachte. Dies war wohl einer meine prägendsten Momente die ich bis jetzt erlebt habe…

 

 

Autor: Bianca

Bianca

Zurück