Bericht von Conny

Mein freiwilliger Einsatz 27.04.2018 – 04.05.2018

In der Schweiz arbeite ich für den Tierschutz im strafrechtlichen Bereich. Diese Tätigkeit findet jedoch mehrheitlich am Bürotisch statt und der direkte Kontakt zu Tieren ist eher selten. Somit ist in mir der Wunsch entstanden, mich näher bei den Tieren selbst zu engagieren. Als ich auf einer Hundemesse Carmen an einem Parenas-Stand kennengelernt habe, war schnell klar, dass ich bei dieser Organisation einen Freiwilligeneinsatz leisten möchte.

Am 27. April 2018 war es dann soweit. Mit drei anderen Freiwilligen landete ich abends am Flughafen in Sevilla, wo wir von Carmen abgeholt wurden. Kaum waren wir im Refugio angekommen, klingelte Carmens Telefon. Die Polizei meldete, dass fünf Hundewelpen in einem Abfallsack mit Bierbüchsen entsorgt wurden. Einer der Welpen sei bereits tot. Sofort rasten wir los und holten die vier verbliebenen kleinen Würmchen ab. Zurück im Refugio wurden die wenige Tage alten Welpen gesäubert und mit der Flasche gefüttert. Da der Zustand der Kleinen kritsch war, übernahm Carmen die Betreuung der Kleinen in ihrem Schlafzimmer. Als wir am Morgen zu Carmen zum Kaffee gingen, reichte ein Blick in ihre Augen um zu erkennen, dass die kleinen Seelchen es nicht geschafft hatten. Für traurige Gedanken blieb jedoch nicht viel Zeit, weil es noch so viele andere Schätze gab, welche auf Hilfe warteten. So zeigte uns Carmen das Refugio in der spanischen Morgensonne. Die Landschaft präsentierte sich zu dieser Jahreszeit in ihrem prächtigsten Gewand. Ich war überwältigt von der Anlage und wie sauber und aufgeräumt wir alles vorfanden. Da ich Parenas Pfotenhilfe auf Facebook verfolge, kamen mir Hunde, Katzen und natürlich die spanischen Teammitglieder bereits vertraut vor. Nach dem Rundgang durchs Refugio wurden wir auch schon zu Arbeiten eingespannt.

Die Tage begannen meist damit, dass an die pelzigen Refugiobewohner Medikamente verteilt wurden. Dann wurden die Hunde in die Aussenanlagen gebracht. Einige konnten aus ihren Abteilen von der Hundehalle in die Aussengehege rennen. Ein grosser Teil der 155 Hunde musste jedoch an der Leine in ihre jeweiligen Aussengehege gebracht werden. Jede von uns Freiwilligen, und auch die Teammitglieder, führten zwei Hunde aufs Mal in ihren Bereich. Nach diesem ersten Kraftakt begannen die Putzarbeiten. Entweder wurde die Hundehalle von den Hinterlassenschaften der Nacht gereinigt, die Katzenhäuser geputzt oder die Boxen bei den Huftieren ausgemistet. Dabei hat es mein Herz immer wieder berührt, wie freundlich und freudig die meisten der Refugiobewohner auf uns reagierten. Sie genossen jede noch so kurze Zuwendung. Dafür wurde mein Herz schwer, wenn ich mich wieder den täglichen Arbeiten zuwendete und mir die Knopfaugen wehmütig hinterher blickten. Am liebsten hätte ich mit allen stundenlang gekuschelt, gespielt und geknutscht.
Nach dem späten Mittagsimbiss begann die logistische Aufgabe, alle Hunde wieder zurück in die Hundehalle zu bringen. Voller Bewunderung stellte ich fest, dass die Mitarbeiter im Refugio alle Schützlinge beim Namen kannten und wussten, wer in welche Box gehört. Während die Hunde sich bereits in ihre Körbchen einkuschelten, begannen wir die Häufchen in den Aussenanlagen aufzusammeln, die Wassernäpfe zu reinigen und die Futterspender aufzufüllen, damit für den nächsten Tag wieder alles bereit war. Um 17.30 Uhr war meistens Schluss und wir freuten uns auf die Dusche. Sehr hilfreich war auch die Waschmaschine in der Freiwilligenwohnung, welche bei uns doch täglich ihren Einsatz leisten musste.
Eines Tages rief uns Carmen, weil sie einen Anruf von einem Galguero bekommen hatte. Ein anderer Jäger wollte ihm seine zwei Galgos abgeben. Sofort fuhren wir los und nahmen die zwei ausgedienten Jagdhunde entgegen. Sie wirkten völlig verstört, weil sie nicht wussten, was mit ihnen passierte. Auch ihr körperlicher Zustand liess zu wünschen übrig. Da Carmen bekannt war, dass dieser Galguero sich nicht gut um seine Tiere kümmerte, fragte sie nach, ob wir ihm noch andere Hunde abnehmen sollten. So liess uns dieser Mann auf sein Gelände. Wir wurden von Carmen vorgewarnt, dass wir uns keine negativen Reaktionen anmerken lassen sollten, um die Rettungsaktion von zumindestens einzelnen Tieren nicht zu gefährden. Die Haltungsbedingungen trieben mir jedoch Tränen in die Augen. Ein Frettchen wurde in einem Käfig mit Gittergeflechtboden gehalten. Die Tauben sassen in kleinen Drahtkäfigen, ohne Sitzstangen und ohne die Möglichkeit, zu fliegen. Am schlimmsten war jedoch die Unterbringung von Rebhühnern, die sich in ihren Käfigen kaum drehen konnten und stereotypische Verhaltenstörungen zeigten. Als der Galguero dann auf eine Bretonische Spaniel-Hündin zeigte, für welche er keinen Verwendungszweck mehr hatte, schnappte ich mir das Mädchen und floh mit ihr ins Auto. Die Süsse schmiegte sich an mich und wollte nicht mehr von meinem Schoss. In diesem Moment entdeckte eine andere Freiwillige eine kleine Streunerhündin bei der gegenüberliegenden Tankstelle. Obwohl wir schon drei Hunde im Auto hatten, wurde nichts unversucht gelassen, um auch diesen Hund zu retten. Nach einer Stunde konnte Carmen die kleine Streunerin ergreifen und die Fahrt ging zurück ins Refugio. Durch den Umstand, dass ich bei der Rettung dieser Hunde dabei war, baute ich eine besondere Beziehung zu ihnen auf. Nur zu gerne hätte ich die Bretonische Spaniel-Hündin adoptiert. Da sie jedoch kupiert ist, ist ein Import von ihr in die Schweiz nicht möglich. Ich musste mich mit dem Gedanken trösten, dass Parenas alles daran setzt, gute Adoptanten zu finden und die süsse Maus sicher bald ein schönes Zuhause bekommen wird. Zumindest für die kleine Streunerhündin hat sich bereits bei ihrer Endeckung alles zum Guten gewendet. Die Freiwillige, welche bei der Tankstelle auf sie aufmerksam geworden war, hat sich für ihre Adoption beworben und ich bin mir sicher, dass diese Geschichte ein Happy End bekommen wird.

In dieser Woche habe ich noch viele spannende, traurige und auch schöne Geschichten erlebt. Ich empfinde nach dieser Zeit grosse Hochachtung vor Carmen und ihrem Team, welche eine sehr professionelle und trotzdem sehr liebevolle Arbeit im Refugio leisten. Die Tiere und auch die Menschen verdienen jede Hilfe, die sie bekommen können. Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass dies nicht mein letzter Einsatz war und ich werde diese intensive Woche sicher nie vergessen. 

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