Bericht von Dania, Fleisch & Grazia

Arbeitseinsatz vom 26.11. – 03.12.14
Willkommen in Carmona!

Bereits bei der Fahrt vom Flughafen zum Refugio trafen wir auf den ersten verletzten Galgo am Strassenrand. Mit einer klaffenden offenen Wunde und stark angeschwollenem Hinterbein stand er da. Doch trotz der schlimmen Verletzung und den unglaublichen Schmerzen die er beim Laufen haben musste, hatten wir keine Chance ihn einzufangen. Voller Panik ergriff er die Flucht…woher soll er auch wissen, dass nun Menschen da sind die ihm nur Gutes wollen?! Bereits die erste Stunde in Carmona zeigte uns die bittere frustrierende Seite des Tierschutzes in Spanien.

Erschöpft von der Reise und mit dem Wissen, dass dieser eine Galgo in der Kälte, alleine und mit schlimmen Schmerzen die Nacht verbringen muss, schliefen wir ein.

Alltag im Refugio:
Nach der ersten deprimierenden Erfahrung am Vortag, machten wir uns daran das Leben im Refugio kennenzulernen. Jeder Tag hier stellt eine neue Herausforderung dar. Das Einzig was man als Routine bezeichnen kann, sind die ersten paar Stunden am Morgen. Um das straffe Tagesprogramm überhaupt einigermassen bewältigen zu können ist um 7 Uhr Tagwache. Mit der Reinigung des Refugios und die Versorgung all unserer Schützlinge (Hunde, Katzen, Esel) ist der grösste Teil des Morgens ausgefüllt. Danach geht es auf die Baustelle. Das neue Refugio Parenas „smile“-Emoticon Das neue Zuhause der ParenasPfotenhilfe wird perfekt. Die Lage ist etwas ausserhalb auf der anderen Seite der Stadt. Es muss noch viel gemacht werden aber alles läuft auf Hochtouren damit das neue Zuhause bald einzugsbereit ist. Boxen streichen, Dachplatten auswechseln, Innenverkleidung des Daches anbringen, Massnehmen für Gittertüren, Planung des Katzenzimmers und ehe man sich versieht wird es draussen auch schon wieder Dunkel und man muss, obwohl man das Tagesziel noch lange nicht erreicht hat, wieder ins Refugio aufbrechen.

Das Leben in Spanien:
Der Tag hat viel zu wenig Stunden! Obwohl man bereits um 7 Uhr aufsteht, ist es fast unmöglich, dass man vor 1 Uhr nachts ins Bett kommt und selbst dann geht man mit einer riesen ToDo Liste im Kopf schlafen. Von den Sorgen die man hat, wenn es einem der Schützlinge nicht gut geht oder Umea die hoch trächtig ebenfalls im Zimmer schläft und es jeden Augenblick losgehen könnte, ganz abgesehen.
Es ist auch wirklich erstaunlich was einem in Spanien alles die Zeit rauben kann… ein kurzes: „ Wir gehen schnell für die Baustelle einkaufen.“ Endet in einem völlig entnervten zweieinhalb stündigen Einkaufmarathon, da sich ja niemand im Baucenter für irgendeine Abteilung zuständig fühlt und man von Abteilung A nach B dann zu C und wieder zurück nach A geschickt wird. Ebenso ein: „Wir gehen kurz zur Bank um Geld abzuheben, um die Arbeiter zu bezahlen.“ Gestaltet sich schwierig in Spanien. Erst darf man mindestens 15 min. anstehen um dann am Schalter gesagt zu bekommen, dass die Bank zurzeit kein Geld mehr hat und man doch in zwei Stunden nochmals kommen soll. Dies sind gerademal zwei von diversen Beispielen, die uns innerhalb nur einer Woche passierten. Aber genau das ist der normale Alltag in Spanien der sehr viel Zeit und Energie verbraucht, welche man so viel lieber für die Tiere und den Bau einsetzen möchte. Und genau solche Situationen sind es, die einem den durchgeplanten Tagesablauf über den Haufen schmeissen und einem teilweise sogar frustriert am Abend ins Bett fallen lässt, da man wieder einmal mehr nicht alles geschafft hat was man sich eigentlich für den Tag vorgenommen hatte.

Die Tiere:
Trotz all dieser Hürden die man gestellt bekommt, gibt es nichts Wertvolleres als die Zeit welche man mit den Tieren im Refugio verbringen kann! All die wundervollen Charakteren kennen zu lernen und das freudige Gebell mit dem man begrüsst wird, bei den Eseln natürlich ein lautes „Iiiaa“, lassen einem all die Anstrengungen des Tages vergessen. Alleine schon Sami der es überhaupt nicht toll findet jeden Morgen gebadet zu werden, mit ein paar Streicheleinheiten vergisst er das Prozedere und beglückt einem mit seiner puren Lebensfreude! Die kleinen Katzen, die kaum hat man die Küche betreten mit einem lauten „miau“ angelaufen kommen. Capitan und Jaimencito die sich einfach ihres Lebens freuen und über die Wiesen laufen. Von all den anderen wunderbaren Wesen ganz zu schweigen. Man spürt wie glücklich sie sind und wieder Hoffnung schöpfen auf eine liebevolle Zukunft bei ihren Familien.

Wie viel Carmen und Roman an den Tieren liegt sieht man beim Abschied der Fellnasen. Am Freitag war Transport angesagt. Viele der Schützlinge durften zu ihren Familien Reisen. Man sah sichtlich, dass es den Zweibeinern schwerer fiel Abschied zu nehmen als den Tieren. Wie viel haben sie auch mit jedem einzelnen durchgestanden und um sie gekämpft. Auch wenn das Wissen, dass die Süssen nun in eine bessere Zukunft gehen, schmerzt doch jeder Abschied und ist immer mit ein paar Tränen verbunden.

So wunderbar das Leben im Refugio mit all den Tieren ist, so unendlich gross das Leid wenn man auf die Strasse geht… Wir konnten in unserem Einsatz 4 Hunde von der Strasse retten (Fasto, Tilia, Morla & Cenoa) und durften miterleben wie schnell sie, kaum in Sicherheit angekommen, das Vertrauen zum Menschen wieder finden und jede Nähe sichtlich geniessen. Ein wunderbares Erlebnis, das einem bestärkt dort weiter zu machen wo es am schwierigsten ist. Aber genau so vielen Hunde konnten wir nicht helfen… zu gross ihre Angst vor dem Menschen. Wir hatten keine Chance sie einzufangen. Bevor man überhaupt in ihre Nähe kam suchten sie voller Panik das Weite. Ein Gefühl der Machtlosigkeit die einem überkommt, mit der man aber jeden Tag klar kommen muss um nicht zu verzweifeln.

Doch trotz allem; Auch wenn noch so bittere Momente einem zum Zweifeln bringen und man weiss, das alles was man hier macht nur ein Tropfen auf den heissen Stein ist… wir kämpfen weiter!! Denn für jedes einzelne Lebewesen dem man helfen konnte, wurde eine ganze Welt gerettet!
Dania, Fleisch & Grazia

Dania’s Gedanken:
Die Woche bei Parenas war für mich eine sehr wertvolle Erfahrung die ich nächstes Jahr bestimmt wiederholen möchte! Ich hatte irgendwie das Gefühl wochenlang weg gewesen zu sein und mich zu Hause etwas schwer getan. Das schlimmste war für mich das ich morgens das Geräusch von Hundepfoten auf dem Boden vermisste, Stevie und Sami als erstes zu begrüssen und auch die zwei herzlichen Zweibeiner fehlen mir! Ich glaube das geht jedem so der einmal die Parenas selbst besucht hatte... Die Arbeit der beiden ist wahnsinnig wertvoll und unendlich hart! Ich weiss, dass jeder unserer Spenden genau dort ankommt wo sie dringend gebraucht wird und Carmen und Roman alles für ihre Schützlinge tun! So viel Aufopferung und Liebe gegenüber schwächeren und geplagten Lebewesen habe ich noch nie erlebt! Wir vermissen Euch und können es nicht erwarten euch wiederzusehen!

Grazia’s Gedanken:
Seit etwas mehr als einem Jahr bin ich nun bei ParenasPfotenhilfe mit dabei. Dies war mein zweiter Arbeitseinsatz. Die Arbeit ist hart und oft auch emotional sehr belastend, aber ich möchte euch kurz die Geschichte von Fasto erzählen, die zeigt wie sehr es sich doch lohnt dort weiter zumachen, wo es am schwierigsten ist.
Als wir Fasto auf der Schnellstrasse entdeckten, stiegen wir sofort aus und liefen ihm nach. Mitten auf der Fahrbahn vor und hinter uns Autos und Lastwagen. Eigentlich ein normaler Einsatz, wie es jeden Tag vorkommen kann. Doch dieses Mal war es anders… Normalerweise kann man damit rechnen, dass man von den vorbei fahrenden Wagen aus, beschimpft oder bespuckt wird. Noch schlimmer, sie geben Gas um den Hund auch ganz sicher zu erwischen… Wie waren Carmen und ich erstaunt, als wir sahen wie Autos und Lastwagen abbremsten, den Pannenblinker einschalteten und Fasto auswichen, der in der Mitte der Fahrbahn lief. Als dann noch die Polizei vorbei fuhr und anhielt um den Verkehr zu regeln, waren wir paff…

Es findet ein Umdenken in Spanien statt und das ist der grösste Lohn den wir uns vorstellen können! Es ist Beweis dafür das die Arbeit, das schwierige und entbehrungsreiche Leben das Carmen und Roman in Spanien führen, jeden Kampf den sie für den Schutz der Tiere durchstehen müssen, endlich Früchte trägt!

Wir werden weiter kämpfen! Und dank euch, die uns unterstützen ist dies überhaupt erst möglich! Deshalb ein riesen Dankeschön

„Tierschutz ist kein Anlass zur Freude, sondern eine Aufforderung sich zu schämen, dass wir ihn überhaupt brauchen.“

 

 

Autoren: Dania, "Fleisch" & Grazia

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