Bericht von René

Einsatz im Februar 2015

Über Facebook bin ich auf Parenas Pfotenhilfe aufmerksam geworden und schliesslich erkannte ich Carmen auf einem Video das gepostet wurde als sie "Rocky" in einem absolut grauenhaften Zustand hinter einem Container entdeckten und ihn sofort mitnahmen. Ich kannte Carmen von früher da wir in derselben Region gewohnt hatten.

Dieses Video bzw. das Elend was da unten herrscht hat mich einfach dazu bewogen mich sofort mit Parenas Pfotenhilfe in Verbindung zu setzen. Es dauerte glaube ich kaum 10 Tage und schon kam ich am Flughafen Sevilla an. Ich wusste, dass diese Zeit nicht nur schön sein wird - aber ich war mir dessen bewusst was mich erwarten wird. Zumindest versuchte ich mich darauf einzustellen und machte mich innerlich stark. Stark für die Tiere. Roman empfing mich sehr freundlich am Flughafen. Und schon ging es los.

Parenas Pfotenhilfe veranstaltete einen Infotag im Gefängnis in der Region. Carmen war schon dort und hielt ein Referat vor vielen Insassen. Beim Eingang vom Gefängnis wurden wir empfangen, mussten unsere Ausweise zeigen bzw. wurden identifiziert und informiert was wir dürfen und was nicht.
Und dann ging es herein in den Saal wo Carmen schon vorne stand und auf spanisch mit einer Bildschirmpräsentation referierte. Grundsätzlich ging es darum was Parenas Pfotenhilfe alles macht, wie schlecht die Situation dort mit den Tieren auf der Strasse ist, was man mit den Tieren alles für grausames macht, dass die Tiere ein gutes Leben verdient haben, wieviel Tiere einem geben können und vor allem wie man sich gegenüber dem Tieren zu verhalten hat. Es ging um Prävention und Aufklärung!!
Roman erzählte mir dann, dass einige Insassen sich sogar als Freiwilligen-Helfer gemeldet hatten und dann regelmässig ins Refugio kamen um Zeit mit den Tieren zu verbringen, freiwillig mitzuhelfen und anzupacken wo Arbeit anfällt. Eine Art Therapie. Am Schluss holte Carmen noch 3 Hunde mit Behinderung. Sami war auch dabei. Es ging darum zu zeigen, dass auch Hunde mit Behinderung ein tolles und ein fröhliches Leben haben können. Es waren alle total begeistert. Der Höhepunkt war natürlich der Rolli von Sami welcher ihm ermöglicht glücklich herumzurennen und mit anderen Hunden einfach nur dabei zu sein.
Danach ging es endlich ins Refugio, auf das war ich am meisten gespannt. Kaum angekommen, zeigte mir Roman das ganze Refugio. Angefangen mit dem Aussenbereich mit den vielen Zonen wo sich die Hunde tagsüber draussen aufhalten können. Genug Wasser, Futter, Liegeplätze auf alten Matratzen, Spielzeug und einfach genug Platz haben um herumzutollen, wie es sich für ein Hundeleben gehört.
Dann zeigte mir Roman die Refugio eigene Klinik. Ich war sehr beeindruckt was Roman und Carmen alles selber machen. Ich fühlte mich wie in einer kleinen Tierpraxis. Alles sauber und steril gehalten. Sie waren sehr gut eingerichtet mit Infusionen, Medikamenten um kranken und verletzten Tieren Soforthilfe zu leisten. Roman sagte mir, dass in Notfällen sogar der Tierarzt hierher käme. Sie hätten eine beeindruckend tolle Partnerschaft zusammen.
Dann kamen wir in einen Bereich mit vielen Decken, Behältern, Futter, Spielsachen usw., das war das Lager - riesig. Ich dachte; wofür das alles ist. Aber die Antwort kam später dazu. Danach sah ich den Waschbereich mit vielen Waschmaschinen, Trockner usw. Das zeigte mir, dass hier auch für die Hunde alles sauber ist. Selbst eine durchdachte Hundedusche gab es. Denn auch die Schützlinge haben ein Recht auf Sauberkeit.
Roman zeigte mir nachher den Bereich der Quarantäne. Dort waren Hunde welche noch nicht zu den anderen durften. Zum Teil weil sie noch schwach waren von dem was sie erlebt hatten oder noch krank waren. Das Refugio unternimmt alles damit es keine Ansteckgefahr gibt und sich Krankheiten übertragen können. Ich war überwältigt an was hier alles gedacht und auch umgesetzt wird.
Nachher hörte ich das Bellen der Hunde. Ich war gespannt was mich hinter einer Türe erwarten wird. Wir kamen in die Halle wo sich alle Hunde "damals glaube ich so ca. 95" aufhalten. Auf den ersten Moment war ich sehr traurig was ich da sah. So viele, unzählbare Hunde. Alle am Bellen, am Gitter hochspringend und Aufmerksamkeit suchend!! Ich musste etwas mit meinen Tränen kämpfen. Doch nach und nach kam ich wieder zu mir. Ich realisierte, dass diese Hunde alle in Sicherheit sind! Ein Dach über dem Kopf haben! Schutz haben! Zu Essen und zu Trinken haben! Jeder Hund hat sein eigenes Bettchen mit einer kuscheligen Wolldecke. Hier durften Sie ihre Nacht verbringen. Ich war erstaunt und realisierte was für ein toller Schlafplatz jedem Tier hier im Refugio geschenkt wird. Schliesslich ist das kein Einfamilienhaus!! Und denn noch dürfen sich die Hunde so fühlen.
Selbstverständlich gab es einen Bereich für die Katzen. Innenbereich mit Heizung und Aussenbereich. Bettchen, Spielsachen, Essen, Trinken, Kletterbäume. Alles war vorhanden für ein schönes Katzenleben im Refugio.

Nun hatte ich einen ersten Eindruck vom Ganzen. Es wurde an diesem ersten Abend sehr spät. Wir haben noch sehr viel geredet. Schliesslich ging ich ins Bett. Ich hatte ein kleines, aber sauberes Zimmer und ein kleines Bad nebenan zur Verfügung. Nur ca. 3 Meter von meiner Zimmertür schlief Sami und ein paar Welpen. Die kleine Milota durfte natürlich bei mir im Zimmer schlafen. Mir wurde gesagt, dass dies hier Tradition sei, dass Milota immer gerne bei den Freiwilligen-Helfer schlief. Milota war und ist einfach ein Goldschatz. Schön war, dass Sie kurze Zeit später vermittelt wurde und jetzt ein schönes Zuhause hat. Dank Parenas Pfotenhilfe.

Am nächsten Tag war ich früh wach. Denn die Hunde haben schon früh angefangen zu bellen. Es scheinte so, dass sie sich freuten um nach Draussen zu kommen.
Es war jedesmal ein riesiger Spektakel und für mich ein Gaudi das mitanzusehen wenn ca. 95 Hunde aus ihrem Schlafplatz nach Draussen in die Aussenzonen rennen. Ihr habt richtig gelesen. Rennen!
Das gleiche sah ich dann am Abend wieder beim zu Bett gehen. Was mich faszinierte: Roman, Carmen und diverse Helfer dort wussten von allen Hunden auswendig, welcher wo hin gehört, sogar jeder einzelne Name des jeweiligen Hundes.
Noch mehr beeindruckend war, dass die meisten Hunde auch immer wieder gleich in ihre eigene Zone gingen. Jeder wusste wo er übernachten durfte und wo sein Bereich war.

Es waren sehr lange Tage, von früh morgens bis spät in die Nacht. Es war harte Arbeit.
Tagsüber wurden die Schlafplätze ausgeräumt, mit Hochdruckreiniger abgespritzt, gereinigt und alles wieder neu gemacht für die Nacht. Die Tiere in der Klinik mussten versorgt werden. Katzenkisten ausmisten, neues Futter geben, eine frische Unterlage machen, die Tiere mit ihren notwendigen Medikamenten versorgen und alles sauber dokumentieren, was, welches Tier wann bekommen hat.
Nicht nur das, es sind ständig auch Unterhaltsarbeiten am Refugio zu leisten. Reparaturen, Bäume pflanzen damit die Tiere Schatten haben im heissen Sommer usw. die Arbeit ist einfach unendlich.
Aber das Schönste am Ganzen ist einfach die Zeit mit den Tieren zu verbringen. Es ist einfach unglaublich was die Tiere einem zurückgeben. Unfassbar was man den Tieren alles angetan hat. Unter Todesangst und prekären Zuständen wurden die Tiere aus der grausamen und bestialischen Tötungsstation gerettet oder von der Strasse herrenlos und zum Teil schwer verletzt mitgenommen. In der Tötungsstation war ich nicht. Ich wusste nicht wie mein Befinden gewesen wäre. Ich nutzte meine Stärke und Kräfte lieber mit Energie für die Tiere welche es ins Refugio schafften. Was ich von der Tötung gehört habe reichte mir. Mein voller Respekt an Carmen und Roman auch in diesem Thema.

Am Schönsten ist es mitzubekommen wie schnell sich die Tiere dem Menschen wieder hergeben, Vertrauen gewinnen wenn sie merken, dass sie in Sicherheit sind. In Sicherheit bei Roman und Carmen im Refugio. Wo Sie medizinisch versorgt und aufgepeppelt werden bis zur physischen- und psychischen Gesundheit. Alle warten auf ein neues Plätzchen was sie verdient haben.

Ich war jeden Tag in der Tierklinik. Es gab immer ein Anlass um dorthin zu gehen. Sei es um ein Tier kastrieren zu lassen, für eine Untersuchung, kleine oder schwere Verletzung oder einfach um nur nach den Tieren zu schauen die für eine längere Zeit dort bleiben mussten aufgrund deren schlechten Gesundheitszustandes.

Ein erfolgreicher Abend war für mich der 3. Tag. Als wir mit dem Refugio-Bus unterwegs waren sahen wir mitten auf einem Kreisel einen Hund liegen. Routinemässig hielten wir sofort an. Es ging alles nach Plan aufgrund der grossen Erfahrung die Carmen und Roman haben beim Einfangen. Man merkte sehr schnell, dass der Hund total ängstlich gewesen ist. Carmen war so nah dran nach grosser Geduld. Jedoch ist er ihr leider entwischt und weg gesprungen. Wir haben aber nicht aufgegeben. Sind lange durch dieses Quartier gefahren und haben Ausschau gehalten. Sind im Dunkeln durch Gassen und Wiesen gelaufen und haben ihn ständig gesucht. Leider ohne Erfolg. Somit stiegen wir wieder in den Bus und fuhren zurück. Jeder war aber immer noch am Suchen und wir hielten Ausschau. Auf einmal glaubte ich etwas gesehen zu haben hinter einem Container. Wir drehten sofort um und hielten an - es war wieder dieser Hund. Carmen hat es nochmals versucht, mit viel Zeit, netten Zurufen und Geduld. Sie kam ihm immer näher und gab ihm Leckerli. Er merkte, dass Carmen gut ist. Schliesslich schaffte sie es ihm die Leine anzulegen. Geschafft!!!! Es war so toll das LIVE mitzuerleben. Wir nahmen den Armen gleich mit. Er war sehr ängstlich. Kein Bellen, kein Schwanz wädeln gar nichts. Es war die Angst! Er hatte eine grosse Narbe am linken Auge. Wer weiss woher oder von wem er das hat. Im Refugio bekam er Futter, Wasser, ein Bettchen mit Wolldecke. Einfach ein Zuhause und ein Dach über dem Kopf. Am Tag danach haben sich viele um ihn gekümmert. Er taute sehr schnell auf und Carmen schaffte es sogar, dass er ihr seine Pfote ausstreckte und man konnte ihn bereits lieb streicheln. So ein schönes Erfolgserlebnis! Carmen gab ihm den Namen Teddy. Zu Recht, denn er ist wirklich ein wunderschöner Teddybär der anscheinend sehr viel zu geben hat und pure Dankbarkeit ausstrahlt. Seht die Bilder vorher und nachher. Ist das nicht toll?!
Spät am Abend bekamen wir einen Anruf, dass eine Katze abgegeben wurde, ob Parenas Pfotenhilfe diese aufnehmen würde. Natürlich nahmen wir diese Katze auf. Sie war noch jung und sehr schwach und gab auch kaum Rückmeldung. Sie hatte nicht mal Appetit zum Essen. Kein gutes Zeichen. Roman legte ihr eine Infusion an, in der Hauseigenen Klinik. Am nächsten Tag hatte sich der Zustand immer noch nicht verbessert und der Tierarzt untersuchte sie. Man wusste aber nicht was sie hat. Einige Tage später verstarb der kleine Blue. Er hatte es nicht geschafft. Schicksalsschläge welche einem nahe gehen. Doch weitermachen heisst es! Es warten tausende von Tieren auf Hilfe!!

Beeindruckend finde ich, wie erfolgreich Parenas Pfotenhilfe ist. Es werden jährlich über 100 Tiere vermittelt, und dies von Spanien nach CH, D, A, FL, NL. Es werden erst Tiere vermittelt die gesund, wohlauf, glücklich und wieder fähig sind vermittelt zu werden, mit allen notwendigen Unterlagen wie Impfungen usw. Jedes Tier erhält seinen eigenen Pass mit allen Nachweisen.

An meinem letzten Tag im Refugio habe ich morgens wieder die gleichen Arbeiten erledigt wie immer. Futter geben, ausmisten, Decken auswechseln, helfen den Tieren ihre Medikamente zu geben, Einkäufe zu erledigen, Welpen ihre Schoppen zu geben usw. Es hörte irgendwie nie auf mit der Arbeit. Am Nachmittag verbrachte ich dann etwas Zeit mit Oreo. Ein Hund welcher ich "glücklicherweise" mit in die Schweiz nehmen durfte. Oreo war fast ein ganzes Jahr im Refugio. Ich war sehr stolz, dass ich Flugpate sein durfte. Somit flog er mit mir in die Schweiz wo ich ihn verzollt habe und ausserhalb vom Flughafen seiner neuen Familie, seinem neuen Zuhause glücklich übergeben durfte. Es war eine Familie. Sie hatten ihn ausgesucht. Er war noch etwas schüchtern und müde nach der ganzen Reise. Aber er hat es endlich geschafft und darf jetzt ein glückliches Zuhause geniessen wo er geliebt wird. So wie er und alle anderen es verdient haben.

Zu all dem gehört viel Herzblut, Mut, Energie, Kraft und den Ehrgeiz immer wieder weiter zu machen. Weiter zu kämpfen. Kämpfen für die Tiere in Spanien. Kämpfen, dass sich die prekäre Situation der Strassentiere verbessert. Kämpfen, dass ein Umdenken stattfindet und der bestialische und brutale Umgang mit den Tieren endlich aufhört. Nicht zu vergessen braucht es das Refugio, Carmen, Roman und alle Helfer! Und Geld. Ohne Spenden wäre das alles nicht möglich. Wir alle leben in Saus und Braus. Jedoch mit einem kleinen Batzen von uns allen, wo wir nicht mal merken, dass wir diesen Batzen nicht mehr haben, kann Parenas Pfotenhilfe sehr viel Leid verhindern. Den Tieren helfen und ein Zuhause bieten in Schutz und Geborgenheit. Ja, das ist ein Spendenaufruf an dich lieber Leser meines Berichtes. Vielen Dank, dass Du es tust!!

Ich trete demnächst meine nächste Reise an ins Refugio.
Es wird bestimmt fürs Herz eine schwere Zeit - jedoch ist es Balsam für die Seele hier mitzuwirken und gutes für die Tiere tun.

 

 

Autor: René

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